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Jobs der neuen Generation

„Die Ära der Ein-Karriere-Laufbahn ist weitgehend vorbei“

Beyza Hilal Geiss, die in Deutschland gleichzeitig als Tourdirektorin, Arzthelferin und Social-Media-Content-Creatorin tätig ist, erzählt uns von ihrem mehrsprachigen Leben, ihren interkulturellen Erfahrungen und ihrem modernen Modell des Multi-Jobbings.

Aslı Çelebi

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İnterview: Aslı Çelebi

Für unsere Rubrik „Neue Generation der Berufe“ habe ich mit Beyza Hilal Geiss ein umfassendes Gespräch geführt – sie fällt in Deutschland mit ihrem vielseitigen Karriereweg auf und arbeitet parallel als Tourdirektorin, Arzthelferin und türkischsprachige Content-Creatorin.

Sie spricht offen über ihr interkulturelles Leben, die Vorteile der Mehrsprachigkeit für ihre Karriere, ihre schnell wachsende Community in den sozialen Medien und ihre Eingewöhnungsphase in den deutschen Arbeitsmarkt. Für alle, die sich für das Multi-Jobbing der neuen Generation, ihre Inspirationsquellen beim Content-Erstellen und die Herausforderungen als türkische Content-Creatorin in Deutschland interessieren, ist es ein inspirierendes Interview.

Was machen Sie beruflich und welche Inhalte produzieren Sie in den sozialen Medien?

Ich würde sagen, mein Berufsleben ist ziemlich dynamisch und vielseitig. In der Türkei habe ich Französische Sprache und Literatur studiert und bin danach nach Deutschland gezogen. Seit einiger Zeit begleite ich vor allem Studierende aus den USA und Kanada bei kulturellen Touren durch Europa. Gleichzeitig arbeite ich in Deutschland in Teilzeit als Assistentin eines Arztes und unterstütze bei Übersetzungen sowie bei verschiedenen organisatorischen Aufgaben im Praxisalltag.

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In den sozialen Medien produziere ich hauptsächlich Inhalte über meinen Alltag, kulturelle Unterschiede, lustige Erlebnisse und mein mehrsprachiges Leben.

Wie begann Ihr Umzug nach Deutschland? Was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen?

Die Entscheidung war nicht völlig spontan. Mein jetziger Ehemann, den ich während meines Studiums kennengelernt habe, lebt in Deutschland – das war ein großer Einfluss. Nach meinem Abschluss wollte ich sowohl meiner Liebe folgen als auch die Chance auf einen beruflichen Neuanfang nutzen. Durch die lange Wartezeit auf mein Visum während der Covid-Zeit verlief alles recht langsam und überlegt. Ich kam letztlich ohne viel Recherche und habe mir gesagt: „Lass das Leben dich überraschen.“

„Durch die Mehrsprachigkeit habe ich beruflich eine Freiheit gewonnen, die ich mir früher nicht vorstellen konnte.“

Wie balancieren Sie Tourdirektion und Arzthelferinnenjob?

Mehrere Jobs zu haben ist in Deutschland völlig normal. Kaum jemand verdient nur den Mindestlohn. Mit guter Planung kann ich beide Tätigkeiten miteinander verbinden. Als Arzthelferin arbeite ich Teilzeit, während die Touren größtenteils saisonabhängig sind. Da meine Arbeitszeiten flexibel sind, kann ich außerdem als Freelancerin in Frankfurt Tagesführungen anbieten. Zwischen April und Juli bin ich besonders ausgelastet, außerhalb dieser Zeit mache ich eher kleinere Stadttouren. Da ich mehrere Sprachen spreche, habe ich beruflich viele Möglichkeiten und bleibe flexibel.

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Wie bewerten Sie das Multi-Jobbing der neuen Generation? Ist die Ein-Karriere-Zeit vorbei?

Ich glaube, das hängt stark von der persönlichen Einstellung ab, aber grundsätzlich ja: Die Ein-Karriere-Ära ist meiner Meinung nach weitgehend vorbei. Die Welt verändert sich schnell, und wir passen uns automatisch an. Früher hat es mich gestört, mich nicht auf ein einziges Feld festlegen zu können, aber heute sehe ich, wie sehr mich die Vielfalt an Erfahrungen weiterentwickelt. Wenn man eine gute Balance findet, ist diese Vielfalt ein großer Vorteil.

Wie haben Sie mit der Content-Erstellung angefangen?

Mit dem Content-Erstellen begann ich im letzten Studienjahr während der Covid-Zeit. Da wir alle zu Hause eingesperrt waren, wollten meine Freunde ständig, dass ich ihnen Französisch beibringe. So habe ich angefangen, unterhaltsame und gleichzeitig lehrreiche Französisch-Videos zu drehen.

„Die Mischung aus deutscher und türkischer Kultur bereichert mein Leben jeden Tag aufs Neue.“

Nach meinem Umzug nach Deutschland musste ich mich auf die Sprache und das Visum konzentrieren, deshalb legte ich eine Pause ein. Heute produziere ich mehr Inhalte, die mein Inneres widerspiegeln: Alltag, kulturelle Unterschiede, lustige Erfahrungen.

In Ihren Inhalten finden sich Elemente sowohl der deutschen als auch der türkischen Kultur. Wie verbinden sich diese beiden Kulturen in Ihrem Leben?

Schon in der Türkei hatte ich das Gefühl, nicht nur zu einer einzigen Kultur zu gehören, aber seit ich hier bin, erkenne ich den Wert meiner eigenen Kultur noch stärker. Da mein Mann Deutscher ist, gehört das Verständnis seiner Kultur ganz natürlich zu meinem Leben. Die Verbindung beider Kulturen bereichert sowohl unsere Beziehung als auch mein persönliches Leben enorm – und das spiegelt sich auch in meinen Inhalten wider.

Welche Themen werden Ihrer Meinung nach beim Content-Erstellen am häufigsten missverstanden?

Ob es Missverständnisse sind, weiß ich nicht, aber manchmal bekomme ich wegen meiner Ehe mit einem Deutschen extrem harte, hasserfüllte Nachrichten. Nur weil mein Mann Ausländer ist, bekomme ich Kommentare wie „nicht mehr türkisch“, „schlechter Mensch“ oder sogar Todesdrohungen. Für manche ist eine interkulturelle Ehe immer noch ein Problem.

„Wenn man die richtige Balance findet, wird ein vielseitiger Lebenslauf zur größten Stärke.“

Mein Ziel ist es jedoch nicht, Menschen zu trennen, sondern im Gegenteil, beide Kulturen besser zu verstehen. Der größte Irrtum liegt darin, dass manche meine persönliche Entscheidung als Angriff sehen. Natürlich bekomme ich auch sehr schöne und lustige Kommentare, und das zeigt mir, wie wichtig es ist, zu wissen, was man aus sozialen Medien mitnimmt – und was nicht.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Ihren türkischen und deutschen Followern?

Meine türkischen Follower reagieren sehr schnell – sie kommentieren sofort, liken und drücken ihre Gefühle direkt aus. Ob positiv oder negativ, ich sehe alle Reaktionen unmittelbar. Deutsche hingegen sind zurückhaltender; sie kommentieren nur, wenn sie wirklich etwas sagen möchten. Sie sind insgesamt ruhiger und distanzierter.

Mit wem sollen wir das nächste Interview führen?

Yeşim Çevik auf LinkedIn
@bussgulerr auf Instagram

Vielen Dank für das Interview. Ich hoffe, unsere Wege kreuzen sich bald wieder.

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