Jobs der neuen Generation
„Die neue Generation von Türkinnen und Türken bildet eine natürliche Brücke zwischen zwei Kulturen“
Die in Deutschland als Lehrerin tätige und gleichzeitig erfolgreiche Content Creatorin Elif Reimann ist mit ihrer inspirierenden Reise und der von ihr geschaffenen Brücke zwischen zwei Kulturen zu Gast in unserer Reihe „Neue Generation Berufe“.
İnterview: Aslı Çelebi
Ihre Auswanderung nach Deutschland, ihre Lehrtätigkeit und der rasant wachsende Erfolg als digitale Content-Produzentin – all das sind Bestandteile des vielseitigen Weges von Elif Reimann. Sowohl im Klassenraum als auch auf Social Media, wo ihr tausende Menschen folgen, spricht Reimann über die Rolle der neuen türkischen Generation in Deutschland, ihren Umgang mit Künstlicher Intelligenz, kulturelle Integration sowie ihr Influencer-Dasein.
Wie verlief Ihr Umzug nach Deutschland? Was waren Ihre ersten Eindrücke?
Ich hatte schon immer Interesse am Ausland und an Fremdsprachen. Deshalb habe ich auch entsprechende Studienfächer gewählt. Nach 2,5 Jahren Berufserfahrung als Lehrerin für Deutsch und Englisch in der Türkei wollte ich in einem Land leben, in dem die Sprache meines Studiums gesprochen wird.
„Ich bewege mich jeden Tag zwischen Klassenraum und digitaler Welt – und beides bereichert sich gegenseitig.“
Ich habe mich über Arbeitsmöglichkeiten in deutschsprachigen Ländern informiert. Laut meinen Recherchen war es jedoch nicht besonders einfach, mit meinem Beruf eine Anerkennung zu erhalten. Also habe ich mir verschiedene Auslandsprogramme angeschaut – darunter Europäischer Freiwilligendienst, Freiwilligendienste in Deutschland und Au-pair-Programme. Schließlich kam ich als Au-pair nach Deutschland und lebte ein Jahr lang bei einer Familie, wo ich mich um ihre drei Kinder kümmerte.

Parallel dazu lief mein Anerkennungsverfahren weiter. Da dieses etwas länger dauerte, absolvierte ich nach dem Au-pair-Jahr ein BFD, also ein Freiwilliges Soziales Jahr in Deutschland. Ich arbeitete mit Schülerinnen mit besonderem Förderbedarf und genoss diese Tätigkeit sehr.
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Als die Schule mich anschließend übernehmen wollte, begann ich dort als Vertretungslehrerin. Nach drei Monaten wechselte ich jedoch die Schule, da der Weg sehr weit war und ich gern mit Schülerinnen arbeiten wollte, die keinen sonderpädagogischen Förderbedarf haben. Heute bin ich an einer staatlichen Schule als Lehrerin für Englisch und Mathematik tätig.
„Schon im ersten Jahr wurde mir klar: Die Deutschen sind viel herzlicher, als man denkt.“
Mein erster Eindruck von Deutschland war, dass die Deutschen gar nicht so distanziert sind, wie man oft hört. Auf der Straße wird man gegrüßt und sobald man sich kennt, begegnen sie einem sehr herzlich. Ich lebte im ersten Jahr in einem kleinen Dorf im Nordosten Deutschlands, in dem ausschließlich Deutsche wohnten. Es gab dort keine Türken oder andere Ausländer, und dennoch habe ich nie Rassismus oder Ausgrenzung erfahren. Wann immer ich Hilfe brauchte, waren die Menschen um mich herum für mich da. Auch die Ruhe und Gelassenheit des Alltags hat mir von Anfang an gefallen.
Wie haben Sie angefangen, digitale Inhalte zu produzieren?
Im vierten Jahr in Deutschland merkte ich, wie sehr ich es vermisste, meine Muttersprache zu sprechen und mich mit Menschen aus meinem Heimatland auszutauschen. Also begann ich auf TikTok Videos über Deutschland und die deutsche Sprache zu teilen.
„Ich begann Content zu erstellen, weil ich meine Muttersprache vermisste – nicht, um Influencerin zu werden.“
Mein Ziel war nie, Influencerin zu werden, daher folgte ich keinem bestimmten Konzept. Während ich die Fragen meiner Zuschauer beantwortete, freute ich mich sowohl über die Möglichkeit, Türkisch zu sprechen, als auch darüber, anderen weiterhelfen zu können. So wuchs meine Community. Auf TikTok bin ich seit zwei Jahren aktiv, auf Instagram seit einem Jahr.
Wie verbinden Sie den Lehrerberuf mit Ihrer Tätigkeit als Influencerin?
Anfangs wollte ich meine Rolle als Lehrerin nicht in den sozialen Medien zeigen. Mit der Zeit bemerkte ich jedoch, dass viele meiner Follower aus der Türkei nach Deutschland gezogen waren.
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Sie kennen das deutsche Schulsystem nicht und stellen viele Fragen. Als diese zunahmen, begann ich – natürlich unter Beachtung des Datenschutzes – Einblicke in meinen Schulalltag zu geben. Ich zeige Unterrichtsinhalte, erzähle vom Ablauf und habe mir dafür auch die Erlaubnis meiner Schule eingeholt. So konnte ich beide Bereiche miteinander verbinden.
Nutzen Sie KI-Tools bei der Content-Produktion?
Ja, ich arbeite mit CapCut und gelegentlich mit ChatGPT.
Beobachten Sie Unterschiede im Verhalten Ihrer türkischen und deutschen Follower?

Ja, deutsche Follower und Freunde reagieren im Allgemeinen ruhiger. Türkische Follower hingegen können besonders dann emotionaler sein, wenn ihnen ein Inhalt nicht gefällt. Wir sind ein Volk, das Gefühle intensiv lebt. 😊
Was hat Sie als türkische Frau im deutschen Berufsleben besonders herausgefordert oder motiviert?
Zu Beginn war es für mich am schwierigsten, eine Fremdsprache durch eine andere Fremdsprache zu erklären. Wenn Schüler etwas nicht verstehen und man Englisch auf Deutsch erläutern muss, ist das wirklich anspruchsvoll. Motivierende Momente erlebe ich vor allem bei Elternabenden. Diese sind selbst in der Muttersprache oft stressig. Doch jeder Elternabend, der nicht so schwierig verläuft wie erwartet, motiviert mich enorm. 😊
Welche Rolle spielt die „neue Generation von Türkinnen und Türken“ in Deutschland?
Ich glaube, dass die neue Generation türkischer Herkunft eine besondere Fähigkeit besitzt, zwischen beiden Kulturen eine Brücke zu schlagen.
„Die neue türkische Generation ist eine authentische Brücke zwischen Tradition und moderner deutscher Gesellschaft.“
Sie bewahrt die türkische Kultur und trägt gleichzeitig konstruktiv zur deutschen Gesellschaft bei. Damit wird sie zum natürlichen Vertreter von Vielfalt und spielt eine wichtige Rolle bei der Gestaltung einer multikulturellen Zukunft Deutschlands.
Mit welchem Influencer sollten wir Ihrer Meinung nach unser nächstes Interview führen?
Ich empfehle euch meine Freundin, die in Deutschland lebende Pädagogin @aysimadogaan, deren Inhalte ich sehr gerne verfolge. 😊




