Kolumnisten
Ästhetik und Ethik in der Medizin: Was gesagt werden darf – und was nicht
Ceren Saltoğlu / Brand & Marketing Manager – Gesundheits- & Ästhetikbranche
„Eine Geschichte, die mit Vertrauen beginnt, wird zur Marke.“
Die ästhetische Medizin hat sich im Laufe der Jahre von einer Gesundheitsdienstleistung zu einem Trendfeld entwickelt. Strahlende Gesichter unter dem Licht der sozialen Medien, makellose Filter, Vorher-Nachher-Bilder, die sich innerhalb von Minuten verändern… In diesem schnellen Strom wird jedoch oft das übersehen, was in diesem Bereich am wichtigsten ist: eine ethische Kommunikation.
Ja, ästhetische Medizin ist eine Dienstleistung. Doch wenn die Sprache der Kommunikation falsch eingesetzt wird, können unsichtbare, aber tief spürbare Wunden entstehen. Denn Kommunikation verlangt ebenso viel Sorgfalt wie die Medizin selbst – besonders dann, wenn sie die Wahrnehmung des eigenen Körpers, das Selbstwertgefühl und die Entscheidungsprozesse von Menschen berührt.
Was gesagt werden darf: Transparenz, Wahrheit, Aufklärung
Ethische Kommunikation respektiert das Recht eines Menschen, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen.
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Deshalb dürfen – und müssen – Fachpersonen und Einrichtungen Folgendes klar und verständlich erklären:
• die wissenschaftlichen Grundlagen einer Behandlung,
• realistische Ergebnisse,
• mögliche Risiken und Nebenwirkungen,
• den Heilungsprozess,
• für wen eine Behandlung geeignet ist – und für wen nicht.
Informieren ist keine Manipulation. Im Gegenteil: Es stärkt den Menschen und gibt ihm die Möglichkeit, selbst zu wählen. Ob jemand eine ästhetische Behandlung möchte oder nicht, kann er nur anhand korrekter Informationen entscheiden.
Was nicht gesagt werden darf: Angst, Druck und das Gefühl des Mangels
Im Bereich der Ästhetik gibt es keine „Wunder“.
Und keine Behandlung macht einen Menschen wertvoller.
Deshalb schließt eine ethische Kommunikation Aussagen wie diese kategorisch aus:
• „Wenn du das nicht machen lässt, fällt dein Gesicht ein.“
• „Deine Nase braucht unbedingt eine Operation.“
• „Alle machen es – du solltest es auch tun.“
• „So wirst du immer älter aussehen.“
• „In diesem Zustand kannst du nicht zufrieden sein.“
Solche Sätze sind nicht nur unethisch, sondern auch ein Eingriff in das Selbstwertgefühl. Während die Medizin darauf abzielt zu heilen, ist es inakzeptabel, durch Sprache zu verletzen.
Momente, in denen Worte stärker sind als Ästhetik
Ein ästhetischer Eingriff kann einem Menschen manchmal helfen, sich besser zu fühlen.
Doch ein falscher Satz kann selbst die beste Behandlung überschatten.
Denn die Art, wie wir uns selbst sehen, formt sich durch Worte.
Deshalb stellt ethische Kommunikation nicht Schönheit, sondern Wohlbefinden in den Mittelpunkt.
Sie rückt nicht die Person, sondern die Information in den Vordergrund.
Sie macht keine Angst, lenkt nicht und setzt niemanden unter Druck.
Sie erklärt – und nur das.
Die ästhetische Medizin wirkt von außen betrachtet wie ein Feld der Schönheit, doch in Wahrheit erfordert sie vor allem Menschlichkeit. Wie in jedem Bereich, der den menschlichen Körper berührt, trägt auch die Sprache eine große Verantwortung.
Darum sollten wir uns immer wieder fragen:
„Verkaufen wir heute eine Behandlung – oder berühren wir das Leben und die Seele eines Menschen?“
Wenn die Antwort das Zweite ist, dann ist ethische Kommunikation nicht nur eine Option, sondern der einzige Weg.
Herzliche Grüße




