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Interview

„Ohne die eigene Komfortzone zu verlassen, bleibt Globalisierung ein Wunschtraum“

Nexrone-Gründer Ersoy Soyer über internationale Expansion, das türkische Startup-Ökosystem und die Plattform „Road to Global“

Harun Yazıcı

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Nexrone kurucusu Türk şirketlerinin global pazarlara açılması hakkında konuşuyor

Interview: Yesim Cevik

Das Technologie- und Startup-Ökosystem in der Türkei wächst seit Jahren dynamisch. Dennoch bleibt die Zahl der Unternehmen, die sich dauerhaft auf globalen Märkten etablieren können, überschaubar. Woran liegt das?

Der Unternehmer Ersoy Soyer, Gründer des internationalen Beratungs- und Wachstumsnetzwerks Nexrone, beschäftigt sich seit Jahren mit genau dieser Frage. Im Gespräch spricht er über seine unternehmerischen Anfänge, strukturelle Herausforderungen des türkischen Startup-Ökosystems und darüber, warum viele Unternehmen ihre globale Chance unterschätzen.

Herr Soyer, wie begann Ihre unternehmerische Reise – und was führte letztlich zur Gründung von Nexrone?

Der Ursprung meiner Unternehmergeschichte liegt tatsächlich in meiner Kindheit. Ich habe schon in der Grundschule gelernt zu verkaufen. Als Sohn einer Beamtenfamilie habe ich zwar eine gute schulische Ausbildung erhalten, gleichzeitig aber früh angefangen zu arbeiten – zunächst auf Märkten, später im Einzelhandel.

Dabei habe ich früh gelernt, Menschen zu beobachten: ihre Entscheidungen, ihr Verhalten und vor allem ihre Kaufprozesse. Diese Beobachtungen haben mich stark geprägt und bilden heute die Grundlage meiner unternehmerischen Perspektive.

Nach meinem Studium arbeitete ich rund fünf Jahre in der Unternehmenswelt und hatte die Gelegenheit, einige der wichtigsten Innovations- und Technologieprojekte in der Türkei zu leiten. Obwohl sich meine Karriere schnell entwickelte, war mein Unternehmergeist stärker. Mit 25 Jahren kündigte ich und gründete mein erstes Unternehmen.

Dieses Unternehmen hat sich über die Jahre weiterentwickelt und ist schließlich zu Nexrone geworden. Insgesamt blicke ich heute auf mehr als zwei Jahrzehnte unternehmerischer Erfahrung zurück.

Welche Rolle spielt Nexrone heute im internationalen Technologie- und Startup-Ökosystem

Nexrone unterstützt Unternehmen dabei, international zu wachsen und neue Märkte zu erschließen. Neben unserem Hauptsitz in der Türkei verfügen wir über Standorte in Deutschland, den Niederlanden und Österreich.

Viele Unternehmen möchten global expandieren. Doch ohne lokale Präsenz ist es äußerst schwierig, sich langfristig in einem Markt zu etablieren. Man muss regulatorische Rahmenbedingungen verstehen, kulturelle Unterschiede berücksichtigen und lokale Geschäftsnetzwerke aufbauen.

„Globalisierung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis der richtigen Strategie und des richtigen Netzwerks.“

Genau hier unterstützen wir unsere Kunden. Nexrone verbindet Unternehmen mit internationalen Netzwerken – von Venture-Capital-Investoren im Silicon Valley bis zu Technologiepartnern in Asien, etwa in Südkorea, Japan oder Indien.

Zu unseren Partnern gehören unter anderem das KI-Unternehmen ElevenLabs, Turkish Airlines, der Staatsfonds Usbekistans, das Hologramm-Technologieunternehmen Proto Hologram sowie das österreichische KI-Unternehmen Upstrive.

Der Aufbau eines solchen Netzwerks dauert für viele Unternehmen Jahrzehnte. Unser Ziel ist es, diesen Prozess deutlich zu beschleunigen.

Wie entstand die Idee zur Plattform „Road to Global“?

Neben meiner unternehmerischen Tätigkeit arbeite ich seit einigen Jahren auch journalistisch und schreibe über Technologie, globale Märkte und Investitionen. Außerdem nehme ich regelmäßig als Sprecher oder Panelist an internationalen Konferenzen teil.

Dabei fiel mir auf, dass viele türkische Unternehmen ihre Produkte auf internationalen Messen präsentieren wollten – jedoch selten auf den großen Bühnen vertreten waren. Oft hatten sie lediglich kleine Messestände und blieben damit weitgehend unsichtbar.

„Viele türkische Unternehmen haben großartige Produkte – aber globale Sichtbarkeit entsteht nicht automatisch.“

Genau aus dieser Beobachtung entstand die Idee zu „Road to Global“.

Ein weiterer Aspekt ist, dass sich Themen in der Technologiebranche ständig verändern. Früher standen mobile Technologien im Fokus, später NFT und Metaverse, heute dominiert künstliche Intelligenz. Wir wollten eine Plattform schaffen, die sich nicht an kurzfristigen Trends orientiert, sondern an einem langfristigen Ziel: der Internationalisierung von Unternehmen.

Seit 2024 organisieren wir Veranstaltungen der Reihen „Road to Global“ und „Local to Global“ in mehreren Ländern, darunter Österreich, Deutschland, Spanien und die Türkei.

Welche drei Ratschläge geben Sie Unternehmen, die international expandieren möchten?

Der wichtigste Punkt ist, die eigene Komfortzone zu verlassen. Viele Unternehmen haben großes Potenzial, verkaufen jedoch ihre Firmen relativ früh an internationale Investoren und ziehen sich anschließend zurück.

Mein zweiter Rat betrifft die Geschwindigkeit. Wir leben heute in einer Zeit enormer technologischer Dynamik. Durch künstliche Intelligenz verändern sich Märkte schneller als je zuvor. Unternehmen müssen ihre Ressourcen effizient einsetzen und strategische Partnerschaften aufbauen.

Und drittens: Lokale Kooperationen sind entscheidend. Wer versucht, einen neuen Markt komplett allein aufzubauen, verliert oft Jahre.

Wie beurteilen Sie das türkische Startup-Ökosystem?

Die Türkei verfügt über ein sehr dynamisches Unternehmerumfeld. Besonders im Gaming-Sektor konnten wir internationale Erfolge erzielen, und auch im Bereich Verteidigungstechnologie entstehen starke Unternehmen.

„Die Welt kennt die Türkei noch nicht so gut, wie sie sollte – und genau das müssen wir ändern.“

Gleichzeitig gibt es strukturelle Herausforderungen. Die Zahl der Venture-Capital-Fonds ist noch begrenzt, und internationale Investitionen sind in den letzten Jahren teilweise zurückgegangen.

Trotzdem sehe ich großes Potenzial. Türkische Unternehmer reagieren sehr schnell auf Veränderungen und sind äußerst anpassungsfähig – Eigenschaften, die im globalen Wettbewerb sehr wertvoll sind.

Welche Fehler machen Startups häufig bei der Internationalisierung?

Ein häufiger Fehler besteht darin, Marktstrategien auf unzureichenden Informationen aufzubauen. Viele Unternehmen verlassen sich auf Medienberichte oder informelle Informationen, statt fundierte Marktforschung zu betreiben.

Auch die Teamstruktur spielt eine wichtige Rolle. Internationale Märkte erfordern multikulturelle Teams, die sowohl Sprache als auch Geschäftskultur verstehen.

Bei Nexrone arbeiten Partner aus verschiedenen Kontinenten zusammen. Diese Vielfalt ermöglicht uns eine breitere strategische Perspektive.

Welche Technologietrends werden die kommenden Jahre prägen?

Künstliche Intelligenz wird zweifellos der wichtigste Treiber der nächsten Jahre sein. Anders als viele frühere Trends hat KI das Potenzial, ganze Branchen grundlegend zu verändern.

„Heute entscheidet Geschwindigkeit über Erfolg. Mit künstlicher Intelligenz verändern sich globale Märkte schneller als je zuvor.“

Auch Robotik wird neue Industrien hervorbringen und bestehende Geschäftsmodelle transformieren. Unternehmen, die frühzeitig in Technologie investieren und flexibel bleiben, werden davon besonders profitieren.

Welchen Mehrwert bietet „Road to Global“ für Unternehmer?

Die Plattform bringt Investoren, Unternehmen und Startups zusammen. Bereits im ersten Jahr konnten Kooperationen mit einem Gesamtvolumen von über 20 Millionen US-Dollar initiiert werden.

Wir haben außerdem mehr als 50 internationale Sprecher aus 25 Ländern eingeladen.

Beim ViennaUP Startup Festival im Mai werden über 70 internationale Speaker teilnehmen. Formate wie „Investor Breakfast“ oder „Shining Stars on Stage“ sollen konkrete Kooperationen ermöglichen.

Unser Ziel ist es, neue globale Erfolgsgeschichten zu fördern.

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