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Ein Leitfaden zu den „Red Flags“ bei Startup-Partnerschaften

Yeşim Çevik

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Yesim Cevik | Investorin – Start-Up Mentorin

In mehr als fünf Jahren im unternehmerischen Ökosystem habe ich beide Seiten des Tisches kennengelernt: die euphorische Seite der Visionen und die nüchterne Seite des Risikomanagements. Als Angel Investor habe ich dabei eines sehr klar gelernt: Der Weg von einer Idee zur Realität ist ebenso inspirierend wie potenziell destruktiv, wenn er nicht durch einen rationalen Filter geführt wird.

Startups sind im Vergleich zu trägen Konzernstrukturen wie wendige Schnellboote. Doch wenn die Kompetenz des Kapitäns und die Klarheit der Route nicht hinterfragt werden, ist es durchaus wahrscheinlich, dass dieses Boot früher oder später an den Klippen zerschellt. Genau deshalb sollten wir vor jeder Partnerschaft oder Investitionsentscheidung die „Red Flags“ hinter der schillernden Fassade erkennen – und den Kurs mit der Disziplin eines Investors lesen.

Eines der ersten Kriterien, auf das ich bei einer Investition achte, ist das tatsächliche Gewicht des Gründers innerhalb der Organisation. Die größte Stärke eines Startups liegt nicht nur in der Idee, sondern vor allem im Gründer und im Team. Gleichzeitig beginnt hier oft auch die größte Schwäche. Wenn operative Entscheidungen, technische Details oder selbst einfache Arbeitsabläufe ausschließlich funktionieren, solange der Gründer persönlich anwesend ist, dann sprechen wir nicht von einem skalierbaren Unternehmen, sondern von einem riskanten Hobby. In der Investmentwelt nennen wir das „Key-Person-Risk“. Ein professioneller Unternehmer ist jemand, der seine eigene Exzellenz systematisiert, kompetentere Fachkräfte einstellt und ihnen Verantwortung überträgt. Wer hingegen mit der Haltung „Ich weiß alles am besten“ agiert, wird für Investoren und Partner selbst zum größten Wachstumshemmnis.

Aus der Perspektive eines Angel Investors ist ein Startup, das nicht „Nein“ sagen kann, eines der deutlichsten Warnsignale. Unternehmen, die jede Kundenforderung und jede Feature-Idee mit einem euphorischen „Das machen wir“ beantworten, verlieren oft den Fokus auf ihr Kernprodukt und entwickeln sich schleichend zu reinen Dienstleistungs- oder Softwareagenturen, deren primäres Ziel kurzfristiger Cashflow ist. Echte Innovation erfordert jedoch Mut zur Fokussierung. Besonders in technischen Gesprächen ist es alarmierend, wenn das Management schweigt und ausschließlich das Marketing spricht. Das deutet auf ein Produkt hin, das vor allem auf PowerPoint überzeugt – nicht im realen Einsatz. Investoren interessieren sich jedoch für die Performance unter realen Bedingungen, im operativen Stresstest des Marktes.

Vertrauen Ihrer Kunden schafft Vertrauen bei uns. Wenn Kunden an Ihr Produkt glauben, steigt auch der Wert Ihrer Idee aus Investorensicht.

Ein Startup lebt davon, dass sein Herz im Takt des Cashflows schlägt. Wer Kennzahlen wie Burn Rate (monatlicher Kapitalverbrauch) und Runway (Reichweite der verfügbaren Mittel) nicht transparent kommuniziert, wird für Partner schnell zur tickenden Zeitbombe. Unausgereifte Unit Economics – also wenn die Kosten zur Kundengewinnung dauerhaft höher sind als der erzielte Ertrag – ohne klar begründete Wachstumsstrategie deuten auf eine strukturelle Krise hin. Ebenso gefährlich ist die Haltung „Rechtliches und Compliance regeln wir später“. In Zeiten von DSGVO, Datenschutz und regulatorischer Verantwortung kann diese Nachlässigkeit Investoren und Geschäftspartner unmittelbar in rechtliche Risiken ziehen.

Nicht zuletzt ist die interne Unternehmenskultur für uns der klarste Spiegel der zukünftigen Performance. Hinter dem Satz „Wir sind wie eine Familie“ verbergen sich allzu oft professionelle Grenzüberschreitungen und eine hohe Mitarbeiterfluktuation – beides deutliche Zeichen dafür, dass Schlüsselkräfte das Schiff verlassen. In einem Klima, in dem Kritik als mangelnde Loyalität gilt, erstickt Innovation. Ein Unternehmen, das seine eigenen Mitarbeiter „verbrennt“, wird mit den Ressourcen seiner Investoren und Partner kaum verantwortungsvoller umgehen.

Unsere Leidenschaft für die Startup-Welt darf unsere professionelle Urteilskraft nicht trüben. Eine Kooperation oder Investition ist kein Wohltätigkeitsprojekt, sondern ein strategischer Schritt in die Zukunft. Die roten Flaggen strukturellen Chaos, finanzieller Intransparenz und extremer Personenabhängigkeit ernst zu nehmen bedeutet letztlich, das Ökosystem und echte unternehmerische Talente zu schützen. Ein professioneller Gründer versteht kritische Fragen von Investoren nicht als Bedrohung, sondern als Mehrwert. Denn am Ende verfolgen wir alle dasselbe Ziel: jene kleine Idee zu finden und zu skalieren, die auf soliden Fundamenten steht und den Test der Zeit zu einer großen Erfolgsgeschichte besteht.

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