Kolumnisten
Zwischen Pitch-Deck und Aftershow-Beat: Mein Wochenende auf dem Founder Summit 2026
Yesim Cevik | Deutschland-Repräsentant von trbusiness.de
Von der Frontline des Investments: Warum das 10-jährige Jubiläum des Founder Summit in Wiesbaden mehr war als nur eine Messe – und was wir als Investoren daraus lernen.
Wenn 20.000 Menschen im RMCC Wiesbaden zusammenkommen, spürt man das normalerweise schon am Parkplatz. Doch dieses Jahr war es anders. Es war nicht das übliche Getümmel; es war eine elektrische Ladung. Als Angel Investorin bin ich vieles gewohnt – sterile Pitch-Events und kühle Konferenzräume. Aber der Founder Summit 2026 hat gezeigt, dass Business heute eine neue Sprache spricht: Emotion und radikale Nahbarkeit.

Politische Weitsicht und wirtschaftliche Brücken
Ein besonderes Highlight war mein kurzer Austausch am Rande der Main Stage mit dem ehemaligen Finanzminister Christian Lindner. Wir sprachen über ein Thema, das in meiner täglichen Arbeit als Investorin immer präsenter wird: die wirtschaftliche Brücke zwischen Deutschland und der Türkei.

Yesim Cevik | Christian Lindner | Harun Yazici
Es war spannend zu hören, wie er nun aus der Perspektive des Unternehmers das enorme Potenzial dieser Partnerschaft einschätzt. Für mich als Angel Investorin ist klar: Wer die Innovationskraft und Dynamik des türkischen Marktes sowie der deutsch-türkischen Gründer-Community ignoriert, lässt Chancen liegen. Es braucht genau diesen politischen und wirtschaftlichen Schulterschluss, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.
Wenn der „Döner-König“ zum Hauptsponsor wird
Dass das Event den Zeitgeist perfekt getroffen hat, sah man schon am Branding: „Haus des Döners“ als Hauptsponsor. Was auf den ersten Blick ungewöhnlich klingen mag, ist bei genauerem Hinsehen ein genialer Schachzug und ein Paradebeispiel für modernes Unternehmertum.
Im Gespräch mit dem CEO wurde deutlich, wie man eine traditionelle Branche durch Branding, Skalierung und eine Prise Popkultur komplett disruptieren kann. Dass eine solche Marke ein Business-Festival dieser Größe trägt, zeigt: Die Grenzen zwischen Street-Culture und High-Level-Investment verschwimmen. Es geht nicht mehr nur um Tech-SaaS; es geht um Brands, die Menschen im Alltag erreichen.
Die neue Dualität des Erfolgs

Dieser Kontrast zog sich durch das gesamte Wochenende. Auf der einen Seite die Disziplin eines Wolfgang Grupp, auf der anderen die digitale Wucht eines Elias Nerlich. Ich saß in Master Classes über organischen Markenaufbau und dachte an meine Portfolio-Unternehmen. Früher hieß es: „Wie hoch ist das Werbebudget?“ Heute fragen wir: „Wie authentisch ist die Brand?“ Wer keine Community bewegt, bewegt heute keinen Markt mehr.
Das Startup Stadium: Wo die Luft brennt
Mein persönlicher Fokus lag natürlich im Startup Stadium. Zwischen den Pitches um die 250.000 Euro Investments spürt man den Puls der Innovation. Was mir auffiel: Die Gründer:innen werden ganzheitlicher. Dank Impulsen von Shi Heng Yi oder Arda Saatci rückt „Mental Resilience“ in den Fokus. Als Investorin investiere ich nicht nur in Code, sondern in Menschen. Ein Burnout ist kein Gütesiegel für Fleiß, sondern ein Risiko für das Asset – diese Erkenntnis setzt sich endlich durch.
Mein Fazit
Der Founder Summit 2026 war eine Erinnerung daran, warum ich tue, was ich tue. Ja, wir suchen Rendite. Aber wir suchen vor allem Transformation. Wiesbaden hat gezeigt, dass Deutschland gestalten will und zwar mit einer Mischung aus politischer Erfahrung, kultureller Vielfalt und der Bereitschaft, auch mal unkonventionelle Wege zu gehen.
Ich nehme spannende Kontakte, frische Impulse für meine nächste Investment-Runde und die Gewissheit mit: Die Brücke zwischen Vision und Realität ist oft kürzer, als man denkt.






