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Interview

„Unser Ziel ist es, Networking vom Visitenkartentausch zu lösen“

Wir haben mit Omar Nart, Gründer und CEO von WORLDEF, über die Zukunft des E-Commerce, grenzüberschreitenden Handel und neue globale Machtachsen gesprochen.

Harun Yazıcı

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Omar Nart | Gründer und CEO von WORLDEF

Interview: Harun Yazıcı

In einer Phase, in der sich der globale E-Commerce rasant neu ordnet, stehen Themen wie Cross-Border-Commerce, Künstliche Intelligenz, geopolitische Risiken und neue Formen der Zusammenarbeit ganz oben auf der Agenda der Wirtschaft.

Die aufstrebende Handelsachse Istanbul–Dubai–Riyadh ist dabei, nicht nur regional, sondern auch global die Kräfteverhältnisse zu verschieben. Für Marken entscheidet sich Wettbewerb zunehmend an der Schnittstelle von Technologie, Operations und den richtigen Verbindungen.

Im Gespräch mit Omar Nart beleuchten wir die Zukunft des digitalen Handels, die Auswirkungen geopolitischer Risiken, sich wandelnde Geschäftsmodelle und die entscheidenden Dynamiken globalen Wachstums.

Herr Nart, stellen Sie sich und WORLDEF bitte kurz vor …

Ich bin Gründer und CEO von WORLDEF. Seit 2008 beschäftige ich mich mit Unternehmertum und Business Development im E-Commerce und digitalen Handel. 2010 habe ich mit Markacom International eines der ersten E-Export-Unternehmen der Türkei gegründet und in 22 Ländern operiert.

Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass E-Commerce nicht nur Technologie ist, sondern ein mehrschichtiges System, das durch Operations, Logistik, Daten und vor allem durch die richtigen Verbindungen wächst.

WORLDEF ist genau aus dieser Erkenntnis heraus entstanden. Unser Ausgangspunkt war: Es gibt im E-Commerce-Ökosystem viele Events und Kontakte, aber ein großer Teil davon führt nicht zu messbaren Geschäftsergebnissen. Diese Lücke wollten wir schließen.

„Erfolg messen wir nicht an Teilnehmerzahlen, sondern an entstandenen Kooperationen und realem wirtschaftlichem Mehrwert.“

Heute positionieren wir WORLDEF nicht als Event, sondern als Plattform, die aktiv Handel generiert. Wir bringen Marken, Technologieanbieter, Investoren und Entscheidungsträger aus der Türkei, der MENA-Region und globalen Märkten zusammen. Unser Fokus liegt nicht nur auf Vernetzung, sondern auf der Schaffung realer Kooperationen durch gezieltes Matching.

WORLDEF ist damit kein klassischer Treffpunkt mehr, sondern ein Ökosystem, das Cross-Border-Commerce beschleunigt, messbare Geschäftsentwicklung ermöglicht und die Zukunft des digitalen Handels mitgestaltet.

Was unterscheidet WORLDEF am stärksten von anderen Organisationen?

Der entscheidende Unterschied liegt in unserem Fokus – und darin, wie wir diesen in ein Geschäftsmodell übersetzen.

WORLDEF ist vollständig dem E-Commerce gewidmet. Wir haben als erste strukturierte Plattform in der Türkei mit diesem Fokus begonnen und sind heute eines der größten E-Commerce- und Retail-Tech-Treffen in der MENA-Region.

Der eigentliche Unterschied liegt jedoch darin, wie wir Wert schaffen.

Wir positionieren WORLDEF nicht als klassische Messe oder Networking-Event. Während wir Bereiche wie E-Commerce, Retail-Technologien, Marktplätze, Zahlungssysteme, Logistik, KI und Cross-Border-Commerce zusammenführen, geht es uns nicht um Sichtbarkeit, sondern um konkrete Geschäftsentwicklung.

Teilnehmer erhalten bei uns nicht nur Reichweite, sondern kuratierte, zielgerichtete und qualitativ hochwertige Kontakte, die zu echten Geschäftsmöglichkeiten führen.

Für uns ist Erfolg nicht die Anzahl der Teilnehmer, sondern die Anzahl der entstandenen Kooperationen und der geschaffene wirtschaftliche Mehrwert.

Wie wird die Istanbul–Dubai–Riyadh-Achse den globalen E-Commerce in den nächsten fünf Jahren verändern?

Unabhängig von aktuellen geopolitischen Entwicklungen lässt sich klar sagen: Diese Achse wird zu einer der strategisch wichtigsten Handelsrouten der Zukunft.

Istanbul steht für Produktionskraft und Unternehmertum, Dubai für globale Handels-, Finanz- und Logistikinfrastruktur, und Riyadh für Transformationsvision und Investitionsstärke. Diese drei Städte bilden ein komplementäres System.

Im Zentrum steht Dubai als globaler Hub zwischen Südasien, MENA, Europa und Amerika. Seine Infrastruktur, Freihandelszonen und regulatorische Flexibilität beschleunigen Handelsströme erheblich.

In Kombination mit zunehmenden Investitionen in KI und digitalen Handel – insbesondere im Golfraum – entsteht nicht nur eine Handelsroute, sondern ein mehrschichtiges globales Netzwerk.

In den nächsten fünf Jahren wird diese Achse nicht nur ein alternativer digitaler Handelskorridor sein, sondern sich zu einem der zentralen Entscheidungs-, Technologie- und Distributionszentren des globalen E-Commerce entwickeln.

Wie beeinflussen Spannungen zwischen Israel, den USA und dem Iran sowie ähnliche geopolitische Risiken Ihre strategische Ausrichtung in der Region?

Solche Krisen zeigen deutlich, dass wir Themen wie Szenarioplanung, regionale Resilienz und Krisenmanagement stärker in den Fokus rücken müssen. Unser grundlegender Ansatz besteht darin, keine Abhängigkeit von einem einzelnen Markt, einer einzigen Route oder einem bestimmten Sektor zuzulassen, sondern eine ausgewogene, multizentrische und multikulturelle Struktur aufzubauen. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass gerade in solchen Krisenzeiten Handel, Dialog und wirtschaftliche Zusammenarbeit noch wichtiger werden.

In solchen Phasen wird die Rolle des Handels sogar noch kritischer. Denn Handel ist nicht nur eine wirtschaftliche Aktivität, sondern auch ein Mechanismus, der Verbindungen, Dialog und Kooperation aufrechterhält. Als WORLDEF bauen wir daher nicht nur eine Plattform auf, sondern schaffen Strukturen, die diese Verbindungen vertiefen. Unsere Planungen für Dubai 2027 haben bereits begonnen; gleichzeitig haben wir mit dem WORLDEF Growth Network ein Modell etabliert, das über klassisches Networking hinausgeht und kontinuierliche sowie ergebnisorientierte Kooperationen zwischen den Mitgliedern ermöglicht.

„Krisen bremsen uns nicht, sie zwingen uns, resilientere Systeme zu bauen.“

Krisen verlangsamen unsere Roadmap daher nicht – im Gegenteil: Sie beschleunigen uns dabei, eine stärkere, flexiblere und stärker integrierte Handelsinfrastruktur aufzubauen. Natürlich hoffen wir, dass solche Unsicherheiten schnell überwunden werden, doch unser Ansatz ist es, Systeme zu entwickeln, die unter allen Szenarien funktionieren.bau einer robusteren, flexibleren und stärker integrierten Handelsinfrastruktur.

Was wird der größte Wendepunkt im Cross-Border-Commerce sein?

Technologie, Logistik und Regulierung sind eng miteinander verknüpft. Der entscheidende Faktor wird jedoch die Regulierung sein.

Technologie kann sich weiterentwickeln, Logistik lässt sich durch Investitionen verbessern – aber ohne klare, schnelle und vorhersehbare regulatorische Rahmenbedingungen ist Skalierung kaum möglich.

„Der eigentliche Wettbewerb wird künftig nicht in Technologie oder Logistik entschieden, sondern in der Regulierung.“

Steuern, Zollprozesse, Datenmanagement und digitale Handelsgesetze werden die zentralen Themen der kommenden Jahre sein. Der Wettbewerb wird zunehmend zwischen Ländern stattfinden, die anpassungsfähige und transparente Regulierungssysteme schaffen.

Was sind die drei wichtigsten Erfolgsfaktoren für globale Marken aus der Türkei?

Erstens: eine starke Markenstory. Produkte allein reichen nicht mehr – Identität und klarer Mehrwert sind entscheidend.

Zweitens: operative Exzellenz. Von Logistik bis Customer Experience müssen alle Prozesse internationalen Standards entsprechen.

Drittens: daten- und technologiegetriebenes Wachstum. KI, Performance-Marketing, Kundenanalytik und Automatisierung sind zentrale Wettbewerbsvorteile.

Ohne das Zusammenspiel dieser drei Faktoren bleibt globaler Erfolg die Ausnahme.

Welche Bereiche des E-Commerce wird KI am stärksten verändern?

Die größte Transformation wird im Kundenerlebnis und in Entscheidungsprozessen stattfinden.

KI verändert bereits Produktempfehlungen, dynamische Preisgestaltung, Kundenservice und Content-Erstellung. Entscheidend ist jedoch, dass Handel personalisierter, prädiktiver und in Echtzeit gesteuert wird.

Marken entwickeln sich zu intelligenten Systemen, die Kundenbedürfnisse sofort erkennen und darauf reagieren.

Welche konkreten Ergebnisse liefert das WORLDEF Growth Network?

Das WORLDEF Growth Network macht jedes Mitglied zu einem aktiven Vertriebsbotschafter.

Unser Ziel ist es, Networking vom Visitenkartentausch zu lösen und in ein messbares Business-Development-Modell zu überführen.

Wichtige Kennzahlen sind:

  • Anzahl der B2B-Meetings
  • entstandene Kooperationen
  • Investor-Startup-Matches
  • fortgeführte Geschäftsgespräche nach Events
  • abgeschlossene Deals

Wir messen Erfolg nicht quantitativ, sondern qualitativ – anhand realer wirtschaftlicher Ergebnisse.

Gibt es Pläne für eine Expansion nach Europa

Ja, mittelfristig steht Europa auf unserer Agenda. Unser Ansatz ist jedoch nicht, einfach in einen Markt einzutreten, sondern ein nachhaltiges Ökosystem aufzubauen.

Wir bewerten Märkte anhand von Kriterien wie Handelsvolumen, Reifegrad des Ökosystems, Offenheit für internationale Zusammenarbeit und unserem möglichen Mehrwert.

Ein wichtiger Schritt war unsere Initiative zur Gründung der United E-Commerce Federation in Geneva.

Diese Organisation bringt E-Commerce-Verbände aus verschiedenen Ländern zusammen und schafft eine gemeinsame Plattform für Kooperation und Standardisierung.

Europa betrachten wir daher nicht nur als Expansionsmarkt, sondern als Teil eines vernetzten globalen Ökosystems.

Für uns zählt nicht, in möglichst vielen Ländern präsent zu sein – sondern in jedem Markt echten Mehrwert zu schaffen und langfristig nachhaltige Wirkung zu erzielen.

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