Kolumnisten
Die korporative Notwendigkeit des neuen Zeitalters: Digitales Branding
Mürsel Ferhat Sağlam | Gründer von Branding Türkiye
Seit der Industriellen Revolution haben sich die Produktionsmittel erneuert, Technologien weiterentwickelt und Konsumgewohnheiten verändert. Doch das Grundgesetz des Wettbewerbs blieb stets unverändert: Existenz ist durch Sichtbarkeit möglich, und Sichtbarkeit durch Transformation. Heute trägt diese Transformation den Namen „Digitales Branding“.
Sowohl geografische Bedingungen als auch historische, kulturelle und wirtschaftliche Notwendigkeiten haben Gesellschaften dazu veranlasst, sich auf bestimmte Bereiche zu spezialisieren. Auf der anderen Seite hat jeder Staat dieser Welt beschlossen, sich in einem Bereich zu vertiefen, um im globalen Wettbewerb die Nase vorn zu haben. Die einen haben an Stärke in der Industrie gewonnen, die anderen in der Wissenschaft, der Technologie, in zivilgesellschaftlichen Strukturen oder in der Landwirtschaft. In der heutigen Welt reicht die Spezialisierung aus nur einem Bereich jedoch nicht mehr aus. So kritisch die Spezialisierung auf individueller Ebene ist, so lebenswichtig ist der Aufbau einer multidisziplinären Struktur auf gesellschaftlicher Ebene. Die Staaten, die heute als „entwickelte Länder“ bezeichnet werden, sind schließlich nicht nur diejenigen, die produzieren; es sind jene, die gleichzeitig in Wissenschaft, Kunst, Technologie und Wirtschaft Präsenz zeigen und sich im Einklang mit den Entwicklungen in diesen Bereichen transformieren. Die eigentliche und oft übersehene Stärke dieser Länder liegt jedoch in ihrer Agilität, Begriffe zu prägen und zu konzeptionalisieren.
Die neue korporative Notwendigkeit: Digitales Branding
Das ultimative Ziel von Unternehmen ist die „Transformation“ (Conversion). Diese Transformation jedoch rein auf den „Verkauf“ zu beschränken, hieße, die Dynamiken des digitalen Zeitalters zu ignorieren. In der Fachliteratur des digitalen Marketings wird Transformation als das Eintreten des zielgerichteten Verhaltens definiert. Dieses Verhalten kann manchmal das Klicken auf einen Folgen-Button sein, manchmal das Teilen eines Inhalts, das Ausfüllen eines Formulars, das Öffnen einer E-Mail oder das Treffen einer Kaufentscheidung. In einer technischen Formulierung ist Transformation die messbare Verhaltensänderung, die eine Marke bei ihrer Zielgruppe hervorruft.
Obwohl das primäre korporative Erfordernis für Unternehmen heute im Erreichen dieser Transformation liegt, sind Marken mittlerweile auch dazu gezwungen, agil bei der Anpassung an die begrifflichen Innovationen der Zeit zu sein. Beispielsweise wurde der Digitalisierungsprozess, der mit dem Web 2.0 an Dynamik gewann, eine Zeit lang als ausreichend für die Markenpositionierung angesehen. Diese Transformation allein reichte jedoch nicht aus, und mit der Zeit wurde klar, dass die ausschließliche Fokussierung auf digitale Plattformen viele Elemente der Markenkommunikation außen vor ließ. Branding ist jedoch erst durch die integrierte und simultane Anwendung von digitalem Marketing und Markenkommunikation möglich.
Genau diese Realität war mein Ausgangspunkt beim Prozess der Konzeptualisierung des digitalen Brandings. Aus diesem Grund habe ich nicht nur das Bewusstsein für digitales Branding zu den korporativen Notwendigkeiten von Unternehmen hinzugefügt, sondern auch betont, dass jede Marke eine auf strategischer Ebene strukturierte Abteilung für digitales Branding schaffen muss. Selbstverständlich dürfen wir in diesem Zusammenhang auch die Notwendigkeit der entsprechenden HR-Rekrutierung nicht vergessen.
Dieser Schritt ist von großer Bedeutung, da er selbst auf Einstiegsniveau der konkreteste Indikator dafür ist, wie sehr sich eine Marke den technischen, konzeptionellen und technologischen Entwicklungen der Zeit anpasst.




